Dark Gay Romance Kurzgeschichte

Diese Dark Gay Romance Kurzgeschichte ist eine unabhängig lesbare Story aus meinem düsteren Omegaverse. Die Charaktere kommen auch in meiner Buchserie »Omega Vibes« vor, doch du musst die Bücher nicht kennen, um die Handlung dieser Kurzgeschichte zu verstehen.

Tropes: Touch Him and Die, Protective Alpha

»Du bleibst im Auto.«

Seine geknurrten Worte sind eine Warnung, bei der sich meine Nackenhaare aufstellen. Ich weiß, was passiert, wenn man sie ignoriert.

Ich habe es gesehen.

Der Anblick hat sich in meine Netzhaut eingebrannt. 

Weil ich an meinem Leben hänge, nicke ich wie ein fügsamer kleiner Omega und senke den Blick.

Seine Hand an meinem Kinn schickt einen Stromstoß durch meinen Körper. Er drückt meinen Kopf hoch, bis ich ihm direkt in die Augen schaue. Sie sind Teiche aus Dunkelheit, so tiefbraun, dass ich keine Worte finde, um den Farbton zu beschreiben.

Ich will versinken in diesen Augen, die nichts preisgeben und doch so viel versprechen.

Schmerz.

Tod.

Ich sollte vor diesem Mann Angst haben. Es wäre gesund, so zu empfinden. Der rationale Teil meines Verstandes fleht mich an, mich zu fürchten. Die Beine in die Hand zu nehmen und abzuhauen, solange ich noch kann.

Ich bleibe.

Vielleicht bin ich verrückt. Womöglich ist in dieser dunklen Gasse ein wichtiger Teil von mir zerbrochen und wurde falsch zusammengesetzt. Jetzt ist alles verdreht. Richtig ist falsch und falsch ist richtig. Wenn ich ihn ansehe, ergibt mein moralischer Kompass keinen Sinn mehr. Dieser Alpha hat mir seinen Abgrund gezeigt. Doch anstatt mich vor dem Fall zu fürchten, kann ich nur noch daran denken, die Dunkelheit darin zu ergründen. Ich will wissen, was dahinter liegt. Wie finster es noch wird, wenn ich tiefer in seine Seele vordringe.

Ob ich es überlebe, wenn ich es herausfinde?

»Hast du mich verstanden?«, fragt er gefährlich ruhig. »Ich will es hören.«

»Verstanden«, wispere ich und erwidere seinen eindringlichen Blick.

Der Moment verstreicht, und er lässt mein Kinn los. »Gut.«

Als er seine Pistole aus der Mittelkonsole nimmt und aussteigt, fühlt es sich an, als wäre ich nur knapp einem Unwetter entgangen. Erst jetzt fällt mir auf, wie flach ich geatmet habe. Hastig ziehe ich Luft in meine Lunge ein – und rieche ihn. 

Sein Geruch hängt immer noch im Auto und nimmt den gesamten Raum ein. Da ist sonst nichts. Keine Abgase, kein Staub, kein faulender Müll, obwohl wir nicht weit von den Tonnen geparkt haben und das Fenster auf der Fahrerseite einen Spalt breit offen steht. Ich rieche nicht einmal mich selbst, dabei habe ich vorhin geschwitzt. Alles, was ich wahrnehme, ist dieser intensive Alpha-Geruch, der Gänsehaut über meinen Rücken jagt und Hitze in meinen Unterleib schickt.

Nachdem ich den Knopf für die Zentralverriegelung gedrückt habe, schaue ich dem Alpha hinterher und beobachte, wie er in dem Einkaufszentrum verschwindet. 

Die Standheizung läuft, weil er extra für mich den Schlüssel hat stecken lassen. Ich krümme meine nackten Zehen und versuche, meine körperlichen Reaktionen auf diesen Mann niederzuringen. 

Wenn man bedenkt, wie wir uns kennengelernt haben und wer er ist, sollte ich nicht so empfinden. Aber sein intensiver Geruch lenkt meine Gedanken immer wieder zu ihm zurück. An meinem Kinn spüre ich noch seine Finger, als hätte er mich nie losgelassen. Die Stelle kribbelt, und je mehr ich versuche, mich auf etwas anderes zu konzentrieren, desto mehr breitet sich das Kribbeln aus.

Fuck, ich brauche frische Luft.

Er hat mir verboten, aus dem Auto auszusteigen. Nicht jedoch, dass ich ein wenig lüfte, also lasse ich das Fenster auf meiner Seite ganz hinunter und atme tief die kalte Novemberbrise ein, die mir um die Nase weht.

Vielleicht bekomme ich so diesen Alpha aus meinem System.

Ich beobachte die Umgebung, damit ich das Fenster rechtzeitig schließen kann, sollte sich jemand nähern, doch es ist nicht viel los. Ein paar Kinder laufen auf den Eingang des Einkaufszentrums zu, zwei Männer kommen heraus. Dem Körperbau und der Größe nach zu schließen, sind es Alphas – und mein Körper reagiert instinktiv. Erst als sie nach rechts abbiegen und zu einem Auto ein gutes Stück entfernt gehen, verlässt die Spannung meine Schultern.

Alles sicher.

Ich bin es leid, ständig auf der Hut zu sein. Allerdings sagt mir meine Erfahrung, dass man sich vor Alphas hüten muss. 

Vor allen Alphas.

»Na, Kleiner. Was machst du hier so ganz allein?« 

Ich reiße den Kopf herum und weiche hastig zurück. Eine sehnige Hand liegt auf dem Rand des offenen Fensters. Braun gebrannt. Kleine Narben auf dem Handrücken. Lange Finger, die mir spielend leicht die Luft abdrücken oder das Genick brechen könnten.

 Wieso müssen alle Alphas solche Monster sein?

Wie soll ich jemals stark genug werden, um gegen sie bestehen zu können?

»Was ist? Bist du stumm? Oder schwachsinnig?« Er beugt sich herunter und lehnt sich in den Wagen.

Mein Blick schießt hoch zu seinem glatt rasierten Gesicht. In seinen Augen glimmt ein Ausdruck der Vorfreude, der meine Magensäure zum Kochen bringt. Als sich seine Lippen zu einem Grinsen formen, stellen sich meine Nackenhaare auf.

»Ich warte auf meinen Alpha«, sage ich, doch meine Stimme kippt am Ende des Satzes. Genau genommen ist er gar nicht mein Alpha. Ich bin bloß mit ihm unterwegs.

»Ach?« Der Fremde neigt den Kopf, sein Grinsen wird breiter. »Wann kommt er wieder?«

»Müsste jeden Moment zurück sein.«

Während mein Herz immer schneller pocht, zwinge ich mich äußerlich zur Ruhe. Die Waffe aus der Mittelkonsole hat mein Begleiter mitgenommen, aber hier muss noch irgendwo etwas sein. Eine zweite Pistole. Ein Messer. Irgendein harter Gegenstand. Hauptsache, ich kann mich gegen das wehren, was unweigerlich passieren wird. 

Ich atme tief durch und setze mich so gerade hin, wie es geht. Der Schaltknüppel drückt gegen meinen unteren Rücken und an meinem Oberschenkel spüre ich die Schließe des Gurtes. Ich ignoriere den leichten Druckschmerz, schaue dem Alpha ins Gesicht und taste hinter meinem Rücken nach irgendetwas, das mir helfen könnte.

»Hast du einen Omega?«, frage ich, um Zeit zu schinden und zwinge mich zu meinem verführerischsten Augenaufschlag. »Oder sogar mehrere?«

Ein finsterer Ausdruck huscht über sein Gesicht, der mich alarmiert. »Nein. Nicht mehr.«

»Schade.«

»Ja.« Er senkt die Lider. »Wirklich schade. Aber vielleicht können wir das ändern.«

»Ach so?« Meine Herzschläge donnern immer fester gegen meine Rippen, während meine Hand nichts findet, was sich auch nur ansatzweise zur Verteidigung eignet.

Würde mir jemand helfen, wenn ich schreie?

Vielleicht, aber dann würde bestimmt jemand die Polizei rufen und dann habe ich wirklich ein Problem. Als Omega auf der Flucht ist diese Art der Aufmerksamkeit das Letzte, was ich gebrauchen kann.

»Hast du einen Omega in Aussicht? Holst du dir einen neuen von der Agentur?«, frage ich und lehne mich weiter zurück, bis ich fast mit dem Schaltknüppel verschmelze.

»Lass uns aufhören, dieses dämliche Spiel zu spielen.« Er greift ins Auto und entsperrt die Verriegelung der Wagentür. »Komm mit.«

»Nein!« Ich rutsche weiter von ihm weg bis auf den Fahrersitz.

Der fremde Alpha kommt mir hinterher. »Jetzt stell dich nicht so an.«

»Hör auf! Mein Alpha ist gleich hier und dann wird er–«

»Er wird gar nichts«, zischt er und kriecht in den Wagen. »Weil du nicht mehr hier sein wirst, wenn er zurückkommt.«

Ich presse meinen Rücken gegen die Fahrertür, trete zu und treffe ihn an der Wange.

»Du kleiner Bastard!«

Kein Wort dringt mehr über meine Lippen. Ich habe keine Zeit mehr zum Sprechen. Stattdessen konzentriere ich mich darauf, ihn erneut zu treffen. Seine Schulter. Seine Stirn.

Aber ich trage keine Schuhe.

Er spürt es kaum. Dafür wird er wütend. Als er das Gesicht zu einer Grimasse verzieht und seine Finger um meinen Knöchel schließt, beginnt das Blut in meinen Ohren zu rauschen. Ein Schrei will aus meiner Kehle kriechen, doch ich beiße die Zähne zusammen und schlucke ihn hinunter. Blind taste ich umher und verdränge das Gefühl seiner gierigen Hände auf meinem Körper.

Als der Alpha mich fest an beiden Beinen packt und zu sich zieht, gräbt sich der Schaltknüppel in meinen Rücken und schabt über meine Wirbelsäule. Der Schmerz verschlägt mir den Atem. Ich ringe nach Luft, bocke und versuche, ihn erneut zu treten. Keine Chance. Er hält meine Beine fest umklammert.

Meine Finger treffen erst auf die Innenseite der Fahrertür und dann auf einen Gegenstand, der im Türfach steckt – eine halbvolle Trinkflasche. Ich packe sie und schlage dem Alpha damit auf den Kopf. 

Das wütende Knurren meines Angreifers schwillt an und nimmt den gesamten Raum ein. Er entreißt mir die Plastikflasche und wirft sie auf die Rückbank. Als er weiter in den Wagen kriecht und sein großer Körper sich über mich schiebt, treten mir Tränen in die Augen.

Ich will das nicht.

Nicht schon wieder.

Ich schlage auf seinen Kopf ein, auf sein Gesicht, versuche, meine Finger in seine Augen zu bohren. Mein nächster Schlag zielt auf seine Nase. Ein dumpfer Laut dringt aus seiner Kehle, und plötzlich verschwindet das Gewicht seines Körpers.

Es knallt, das Auto wackelt und jemand wimmert erbärmlich.

Ich bin es nicht.

Keuchend ringe ich um Atem und setze mich auf. Als ich mich aus dem Auto lehne, entdecke ich den Ursprung.

Das Geräusch kommt von meinem Angreifer, der gegen die hintere Wagentür gedrückt wird. Mein Alpha presst seinen Unterarm gegen seine Kehle, ihre Gesichter sind nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Er sagt etwas zu dem Fremden, knurrt ihn förmlich an.

Ich höre die Drohung in diesem Laut, spüre sie am eigenen Leib, auch wenn sie nicht mir gilt. Die Worte, die er ihm zuraunt, verstehe ich nicht. Die Botschaft dahinter schon. Wären wir nicht in der Öffentlichkeit, wäre diese Angelegenheit längst erledigt.

Und zwar endgültig.

Ein kurzer Schmerzenslaut ertönt. Ich kann nicht erkennen, was mein Alpha mit meinem Angreifer macht, doch als er ihn loslässt, taumelt der Mann in Richtung Straße davon.

Erleichtert stoße ich den Atem aus. Mein wild pochendes Herz beruhigt sich nur langsam, und ich ziehe mich zurück. Als sich mein Alpha ins Auto beugt, rast es direkt wieder los. Sein wütender Blick trifft mich und steht dem meines Angreifers in nichts nach. 

In meiner Brust wird es eng. Instinktiv weiche ich zurück, doch wie der Mann zuvor kommt er unaufhaltsam über mich. Sein Gesicht schwebt über meinem. Ich kann die Dunkelheit in seinen Augen sehen. Das tiefe Braun greift um sich, verschlingt mich und jagt mir eine Gänsehaut über den Körper.

»Was sollte das?«, knurrt mein Alpha. 

»Ich habe nichts gemacht«, sprudelt es aus mir heraus. »E-er hat einfach–«

»Wieso war das Fenster offen?«, unterbricht er mich und kommt mir mit seinem Gesicht noch näher. 

»Frischluft?«

»Ist das eine Antwort oder eine Frage?«

»Eine Antwort?«

Mein Herz pocht wie verrückt. Er ist mir so nah, dass sein Geruch schon wieder alles andere verdrängt. Den Angriff. Die Gefahr. Die Angst. Alles in mir zieht sich zusammen. Ich spüre seinen Atem auf meinem Gesicht. Sein muskulöser Arm berührt meinen … und ich will mehr, obwohl ich das nicht sollte.

Er verengt die Augen. »In Zukunft tust du, was ich dir sage. Hätte ich nicht meine Geldbörse vergessen, wärst du jetzt in genau der Situation, vor der du geflohen bist.«

»Ich habe getan, was du gesagt hast«, wispere ich und erwidere seinen Blick so selbstbewusst, wie ich kann. »Du meintest, ich soll im Auto bleiben.«

Der Alpha knurrt. »Du bist gut mit Worten, doch die können dich nicht schützen, wenn es hart auf hart kommt.«

»Ich weiß.«

»Dann hör auf, solche Dummheiten zu machen. Dafür bist du zu schlau.«

»Wenn es nach dir geht, war es eine Dummheit, mit dir mitzukommen«, erwidere ich atemlos.

Für einen quälend langen Moment sieht er mich nur an. »Das war es.«

»Und doch hast du mich gerade beschützt. War wohl doch keine so schlechte Idee.«

Sein Mundwinkel zuckt. »Vorsicht, kleiner Omega. Du spielst mit dem Feuer.«

»Ich habe keine Angst, mich zu verbrennen«, erwidere ich und kann kaum noch atmen, weil er mir so nah ist. Er müsste seinen Kopf nur ein winziges Stück senken, und seine Bartstoppeln würden über meine Haut kratzen.

Wie sich das wohl anfühlt?

»Du bist mutig«, sagt er und bringt etwas Abstand zwischen uns. »Das mag ich an dir. Aber pass auf, dass dich dein Mut nicht eines Tages ins Grab bringt.«

Vielleicht wird er das sowieso.

Vielleicht wird es das, was wir vorhaben.

Wer weiß das schon?

Er greift nach seiner Geldbörse, die tatsächlich noch in der Mittelkonsole liegt. »Ich gehe jetzt einkaufen, und du siehst zu, dass du dir in der nächsten halben Stunde keinen Ärger einfängst. Schaffst du das?«

Ich nicke.

»Gut.«

Mein Alpha schließt das Fenster und dann die Tür, bevor er sich abwendet und in Richtung Einkaufszentrum geht. Erneut schaue ich ihm nach. Erneut hängt sein Geruch wie eine Wolke aus Pheromonen, Gefahr und Begehren in der Luft. Doch diesmal lasse ich das Fenster geschlossen. 

Kurz vor dem Eingang schaut er über die Schulter. Sein eindringlicher Blick trifft mich und gräbt sich tief in meine Seele. Eine Warnung schwingt mit, aber auch ein Versprechen.

Dieser Alpha wird meine Rettung oder mein Untergang sein. Was davon zutrifft, wird die Zeit entscheiden.

Hat dir die Kurzgeschichte gefallen? In »Omega Vibes« kannst du mehr von dem frechen Omega und seinem gefährlichen Alpha weiterlesen!